H A I K U S

H A I K U S

Als "Haiku" bezeichnet man eine ursprünglich aus Japan stammende Kurzlyrik. Basis dafür ist eine einfache Regel: Die 1. Zeile besteht aus fünf, die 2. aus sieben und die Letzte wieder aus fünf Silben. In seiner klassischen Form beschreibt ein Haiku einen Moment in der Natur oder Jahreszeit. Moderne Haikus beschäftigen sich mittlerweile aber mit einer großen Themen-Bandbreite, wenngleich das Ziel immer noch das gleiche geblieben ist: In einer durch die Silbenregel kompakt konzipierten Sprache beim Leser Bilder, Gedanken und Stimmungen anzuregen. Die Konzentration auf das Wesentliche, stimmige Wortmalerei und die freie Themenwahl sind die Antriebe bei der Erarbeitung meiner Haikus.


44:  Nebel steigen auf. Sonnenlicht stiehlt Morgenfrost. Frühes Erwachen.


43:  Rascher Puls am Weg. Im Rhythmus der Bewegung. Luftige Freiheit.


42:  Haut sanft berühren. Leidenschaftliche Umarmung. Glücklicher Morgen.


41:  Ein Kinderlachen. Unbeschwertes Erleben. Zukunft ohne Angst.


40:  Hirn ohne Zukunft. Ein langsames Entschwinden. Der Leib noch im Heute.


39:  Liebe und Seele. Kritik der reinen Vernunft. Mut zur Synthese.


38:  Ihr Atem heut` Nacht. Im Traum noch viel mehr. Nein, nein, nicht nur Sex.


37:  Nur gerade jetzt. Ewigkeiten sind sinnlos. Schon wieder vorbei.


36:  Dröhnen am Himmel. Auch Schlauchwolken in der Luft. Reise ins Wohin?


35:  Flucht übers Meer. Nächtliches Bangen im Boot. Aus alle Hoffnung.


34:  Armut und Reichtum. Soziale Gerechtigkeit. Dauernder Prozess.


33:  Kirche am Abgrund. Weit weg vom wahren Ursprung. Nur halber Himmel.


32:  Altes Europa. Hader statt Einigkeit. Vision braucht Seele.


31:  Krankender Planet. Sägen am eigenen Ast. Wille zum Selbstschutz?


30:  Keime in der Erde. Eine leichtgläubige Saat. Wer leitet den Trieb?


29:  Eva und der Apfel. Das Paradies auf Erden. Lohn der Sophia.


28:  Immer hinterher. Immer überall dabei. Immer und doch nicht.


27:  Regen wie Watte. Ein sanft verhüllendes Kleid. Darunter Leben.


26:  Verborgener Keim. Sonnengenährtes Wachstum. Reifendes Vergehen.


25:  Hoher Vogelflug. Vor azurblauem Hintergrund. Leichtigkeit des Seins.


24:  Sonnenstrahlengleich. Ein fein gesponnenes Netz. Naturwerk aus Licht.


23:  Grasgrün und saftig. Dazwischen Farbe am Stiel. Duftendes Schwanken.


22:  Die eine Parkbank. Oft besucht und genossen. Echt selbstlos und grün.


21:  Gesumm und Gebrumm. Getaste, Gefliege, Gekreuch. Bienen, Käfer und ...


20:  Lustvolles Wandern. Das Hirn durchlüften am Weg. Lebenstankstelle.


19:  Ein plätscherndes Nass. Und wachsende Zuwendung. Von beiden Seiten.


18:  In die Welt gestürzt. Ohne Schirm und ohne Netz. Hoffnung im Herzen.


17:  Die Sicht von oben. Nur keine Lebensdetails. Herzlose Übersicht.


16:  Leben in Schwebe. Alle Möglichkeiten offen. Wohin nun wenden?


15:  Scherzen und lachen. Perlender Humor und Witz. Goldene Stunden.


14:  Verzeihen ist in. Auch Toleranz und Respekt. Verständnis üben.


13:  Augen geöffnet. In Schwarz und Weiß eingetaucht. Dem Licht entgegen.


12:  Stamm neben Stämmen. Auch durch Wurzeln verbunden. Licht- und Windfänger.


11:  Das Blätterrauschen. Schnabelhämmern auf Rinde. Stille im Herzen.


10:  Licht im Morgentau. Nebelfelder weichen rasch. Blätterabgesang.


09:  Gehen und denken. Waldgeräusche überall. Gehen und fühlen.


08:  Lichter ober mir. Nachrichten aus alter Zeit. Jetzt auch Gegenwart.


07:  Politik heute. Inszenierung statt Inhalt. Auch Selbstbedienung.


06:  Frühlingserwachen. Und auch totes Gefieder. Kreislauf der Natur.


05:  Wenn Wissen Macht ist. Wir wissen nichts zu wissen. Sind alle machtlos.


04:  Leben im Zuviel. Dankbarkeit ist geboten. Und mit Dir teilen.


03:  Leben im Zuwenig. Künstliche Bescheidenheit. Und Hoffnung auf mehr.


02:  Wenig Vorbilder. Und Versuchung überall. Trotzdem Kurs halten.


01:  Sonnenlicht im Herzen. Und wundervolle Natur. Rundum zufrieden.